Ober-Gembeck Agrar

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Landwirtschaft
Aktuelles
- hier informieren wir in unregelmäßigen Abständen über aktuelle Geschehnisse auf unserem Betrieb -
#Bauerndemo,
darum beteiligen wir uns.
(Dezember 2019)

Klima-, Arten- und Umweltschutz stellt für die Gesellschaft eine gigantische Aufgabe dar. Jeder Sektor muss zu deren Bewältigung einen Beitrag leisten. In der Primärproduktion von Lebensmitteln kommt es bei der hohen Bevölkerungsdichte und einem starken Konsum von Fleisch- und Milchprodukten zwangsläufig zu Emissionen. Diese gilt es dabei auf ein Minimum zu reduzieren. Als Familie arbeiten wir täglich daran unseren Betrieb auf die Herausforderungen in der Landwirtschaft vorzubereiten. Dabei haben wir uns für die Zukunft stets gut gerüstet gefühlt. Die Summe der nun auf uns zukommenden Auflagen aus dem Agrarpaket und aus der Verschärfung der Düngeverordnung nimmt uns jetzt aber jede Menge Planungssicherheit. Das daraus resultierende Einkommensrisiko ist umso ärgerlicher, da viele Aspekte fachlich nicht nachzuvollziehen sind und auch keine positiven Umweltwirkungen haben werden. Im Folgenden erläutern wir die Punkte, die unseren Familienbetrieb aktuell am meisten beschäftigen und für die wir am 26.11. mit einem Traktor die weite Reise zur Demonstration nach Berlin angetreten haben:

Nitrat: In unserem Betrieb setzen wir auf weite Fruchtfolgen, Humusaufbau und auf präzise arbeitende Landtechnik. Damit konnten wir bislang eine sehr gute Stickstoffbilanz aufweisen und gleichzeitig ökonomisch nachhaltig wirtschaften. Durch die erneute Verschärfung der Düngeverordnung erwarten uns nun einschneidende Restriktionen. Die Betriebsstandorte Gembeck und Twiste befinden sich nach aktueller Auslegung beide in sogenannten "Roten Gebieten". Die maximal erlaubte Düngemenge soll dort künftig auf 20% unter dem Pflanzenbedarf liegen. Das wird zu Humusabbau und bei den Ernteprodukten zu einem Rückgang von Ertrag und Qualität führen. Ein Teufelskreis beginnt. Geologisch bedingt befindet sich Gembeck in einem besonders sensiblen Wasserschutzgebiet. Dort wurde schon vor Jahren eine sehr erfolgreiche Wasserschutzkooperationen zwischen Wasserversorger und Landwirten gegründet. Über standortangepasste Maßnahmen konnten die Nitratwerte im Grundwasser nachhaltig unter den Schwellenwert von 50 mg Nitrat je Liter gesenkt und gehalten werden. Durch die neuen Auflagen würde diese erfolgreiche Kooperation de facto obsolet werden.

Insektenschwund: Ein topaktuelles Thema ist das dramatische Insektensterben. Ein Schuldiger ist schnell gefunden: die Landwirte mit Ihren Pflanzenschutzmitteln. So einfach ist das aber nicht. Es gibt Stand heute weder über das genaue Ausmaß noch über die tatsächlichen Ursachen repräsentative Studien. Bevor pauschale Verbote ausgesprochen werden, muss geklärt werden inwiefern Klimawandel, Verbauung der Landschaft, Lichtverschmutzung, Windenergie, Mobilfunk, etc. zu einem Insektenschwund geführt haben. Hier ist mehr Forschung gefragt – und zwar möglichst schnell! Ob es der allgemeinen Insektenwelt hilft, wenn es im Frühsommer kaum noch gelbblühende Flächen des eher pflanzenschutzintensiven Rapses aufgrund fehlender Anbauwürdigkeit gibt, zweifeln wir stark an.

Glyphosatverbot: Ein kommendes Anwendungsverbot des Totalherbizides Glyphosat wurde mit dem Agrarpaket festgelegt. Der Wirkstoff hat seinen Sinn definitiv nicht in der Erntestaffelung und er hat auch nichts neben dem Acker zu suchen. Er kann aber gerade bei besonders trockenen oder feuchten Bedingungen zur sicheren Bekämpfung des Unkrautaufwuchses vor der Aussaat einer Kultur genutzt werden. Das Ziel(!), die unerwünschte pflanzliche Artenvielfalt zu bekämpfen, erfolgt zuverlässig und anders als bei den Alternativen ohne intensiven Bodeneingriff und ohne Erhöhung des Erosionsrisikos. Ein Einsatz von Glyphosat ist hier oftmals das kleinere Übel und ein Verbot aus Bodenschutzgründen als immenser Rückschritt einzustufen. Erosionsschutz und die Artenvielfalt im Boden wird bei der Diskussion komplett vergessen! Wenn ein gesellschaftlicher Konsens besteht, dass dieser ideologisch-verteufelte Wirkstoff verboten werden soll, dann bitte auch in der konsequenten Form, dass auch Lebens- und Futtermittelimporte von Agrarflächen stammen, welche nicht mit Glyphosat behandelt werden. Dann würden wir heimischen Landwirte sofort mit einem Anwendungsverbot sympathisieren!

Wir Landwirte in Deutschland produzieren Lebensmittel zu den weltweit höchsten Standards (auch in Sachen Tierschutz!) und stellen gleichzeitig die Grundversorgung mit Nahrung sicher. Eine Extensivierung der heimischen Produktion führt ganz einfach zu einer Substitution durch Lebensmittelimporte. Dazu nur die Stichworte: Überseetransport, GVO, Regenwaldrodung, Feedlots. Die Preise für unsere Produkte werden auf dem Weltmarkt bestimmt und ein Produktionsrückgang führt zu einem Rückgang der Wertschöpfung im ländlichen Raum und damit unweigerlich zu einem starken Strukturwandel. Nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im vor- und nachgelagerten Bereich. Mehr Protektionismus zur Anhebung der Erzeugerpreise ist sicherlich keine realistische Lösung und mit Hinblick auf das Mercosur Abkommen werden Lebensmittelimporte im Gegensatz dazu sogar erleichtert.

Unsere Forderungen an die Politik:
Miteinander reden, statt übereinander! Beziehen Sie uns Landwirte und unsere fachliche Kompetenz bei der zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik mit ein. Außerdem fordern wir, dass Agrarpolitik in Zukunft wieder mehr wissenschaftsbezogen und sachorientiert gestaltet wird und nicht blind praxisfernen, aber eben auch populären Kampagnen folgt. Im Hinblick auf die neue Düngeverordnung wurden notwendige Reformen von der Politik mit Unterstützung der Verbände über Jahre verschlafen. Die nun anstehenden Konsequenzen sind für die Landwirte in den betroffenen Gebieten gravierend. Ein konsequenter Schritt wäre es zumindest die fragwürdige Abgrenzung der roten Gebiete und den dortigen Maßnahmenkatalog zu überprüfen. Bezogen auf Arten- und Insektenschutz: Verstärken Sie die Ursachenforschung und bieten Sie uns Landwirten im Sinne des kooperativen Naturschutzes Programme an, mit denen wir zielgerichtete und auch effiziente Umweltschutzmaßnahmen ergreifen können. Dafür darf dann auch gerne einen Teil der EU-Fördermittel aus der ersten in die zweite Säule transferiert werden.

Unsere Forderungen an den Verbraucher:
Durch die Auswahl von Regionalität, Tierwohllabel, GVO-Freiheit, Bio oder Konventionell habt Ihr in der Hand, wie die Agrarlandschaft der Zukunft aussieht. An der Kasse könnt Ihr aktiv beeinflussen zu welchen Bedingungen Lebensmittel produziert werden. Das ist deutlich zielführender als Umweltschutzpetitionen zu unterschreiben und das Kaufverhalten dann nicht zu ändern. Nutzt das, denn hier habt Ihr einen noch viel größeren Hebel als die Agrarpolitik!
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